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2026-09-25
Ausflugstipps

Angeln an der Ostsee und Bodden: Zwei Reviere, unendlich viele Fische

Ein lächelnder Mann auf einem Boot beim Angeln, dunkles T-Shirt und leuchtend orange Latzhose, hält eine gebogene Angelrute, ruhiges Meer und tiefstehende Sonne im Hintergrund.

Fischland-Darß-Zingst ist eines der besten Angelreviere Deutschlands – nicht, weil nur Angler aus einem Geschlecht hier fischen, sondern weil die Bedingungen perfekt sind. Hier hast du zwei vollkommen unterschiedliche Gewässer direkt nebeneinander: die Ostsee mit Dorsch, Meerforelle und Hering und die Boddengewässer mit Zander, Hecht und Barsch. Du musst dich nicht entscheiden – du kannst beides haben.

Ob du schon lange angelst oder gerade erst anfängst: An der Ostsee findet jeder das richtige Gewässer, die richtige Technik und den richtigen Moment. Das Beste ist, dass es hier weniger kompliziert ist, als viele denken. Du brauchst nicht viel – einen Touristenfischereischein, eine Angelerlaubnis, die richtige Ausrüstung und Geduld. Der Rest kommt von allein.

Ein Junge mit dunkler Jacke, Kappe und Gummistiefeln steht am Ufer und hält eine Angelrute mit kleinem Fisch, Schilf und Wasser im Hintergrund.

Die zwei Reviere: Ostsee und Bodden

Fischland-Darß-Zingst hat einen großen Vorteil: Du kannst jeden Tag entscheiden, welches Revier du befischen möchtest. Das ist nicht irgendwo möglich. Die Halbinsel trennt die offene Ostsee von den flachen, ruhigen Boddengewässern – und beide sind fantastisch zum Angeln.

Die Ostsee: Meerforelle, Dorsch, Hering

Die Ostsee ist größer, rauer, und die Fische sind größer. Hier jagst du Meerforellen, Dorsch und Hering – und mit Glück auch Lachs. Die Fische kommen nah ans Ufer, oft reichen Wurfweiten von 50 Metern. Das bedeutet: Du brauchst kein Boot. Ein langer Strand, eine gute Rute und eine Wathose – das reicht.

Der Weststrand zwischen Ahrenshoop und Wustrow ist bekannt für große Meerforellen. Im Frühjahr, wenn die Hornhechte vom Atlantik in die Ostsee wandern – ungefähr mit Beginn der Rapsblüte – ist hier eine der besten Zeiten des Jahres. Die Fische beißen wie wild, und es ist mehr Abenteuer als Geduld-Test.

Von den Seebrücken in Prerow und Zingst kannst du auch ohne Boot angeln. Aber Vorsicht: Die Brücken haben Angelzeiten. In Prerow darfst du zwischen 20:00 und 8:00 Uhr angeln, in Zingst auch – weil die Brücken tagsüber Touristen gehören, nicht Anglern.

Die Boddengewässer: Zander, Hecht, Barsch

Die Bodden sind flach – durchschnittlich zwei Meter tief – und ruhig. Das klingt wenig, aber gerade deswegen leben hier Raubfische in großer Anzahl. Zander, Hecht und Barsch – alles reichlich vorhanden.

Die Darß-Zingster Boddenkette ist vor allem ein Zanderrevier. Das Mindestmaß liegt hier sogar bei nur 40 Zentimetern (statt sonst höher) – weil die Bestände so gut sind. Mit einem Bellyboot, von den Ufern oder mit einem Boot erreichst du hier Stellen, die wenig andere kennen.

Der Prerowstrom und die Boddenlandschaft sind nicht nur für Angler interessant – auch Naturbeobachter lieben diese Gegend. Du fischst mitten in der Natur, mit Seeadlern oben und Seegrasbänken unten. Das macht Angeln hier zu mehr als nur Fisch fangen.

Was du brauchst: Scheine und Erlaubnisse

Bevor du die erste Rute ins Wasser hältst, brauchst du zwei Dinge: einen Angelschein und eine Angelerlaubnis. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Der Touristenfischereischein (für Urlauber)

Wenn du einen regulären Fischereischein nicht hast, brauchst du den Touristenfischereischein Mecklenburg-Vorpommern. Der kostet etwa 23-24 Euro und gilt 28 Tage lang – kann aber im selben Kalenderjahr verlängert werden, wenn du länger bleibst.

Du brauchst dafür keine Prüfung. Das ist das Gute am Touristenschein: Er ist für Anfänger gemacht. Du meldest dich an, zahlst und fertig – ohne langwierige Tests.

Tipp: Den Schein kannst du online über erlaubnis.angeln-mv.de(externer Link) oder direkt in den Kurverwaltungen(externer Link) beantragen. Online ist es schneller und günstiger.

Die Angelerlaubnis für die Küstengewässer

Das ist das zweite Dokument, das du brauchst – und das ist das, das die meisten vergessen. Mit dem Touristenschein darfst du angeln, aber nicht überall. Für die Ostsee und die Bodden brauchst du zusätzlich eine Angelerlaubnis.

Diese Erlaubnis kostet je nach Dauer zwischen 6 Euro (Tageserlaubnis) und mehr für längere Zeiträume. Du bekommst sie in den Kurverwaltungen von Dierhagen, Wustrow, Ahrenshoop, Born, Wieck, Prerow und Zingst(externer Link).

Achtung: Kinder unter 14 Jahren sind vom Touristenschein befreit – aber nicht von der Angelerlaubnis. Sie brauchen trotzdem die Erlaubnis zum Angeln in den Gewässern.

  • Ein Mann in dunkler Kleidung und Kappe in einem kleinen Boot auf ruhigem Wasser bei Sonnenuntergang, rote Kiste im Boot, flache Küstenlinie mit Bäumen im Hintergrund.
  • Ein Mann in einem Boot auf dem Meer. Er trägt ein rotes Shirt und eine Weste. Er hält eine stark gebogene Angelrute fest.

Die richtige Ausrüstung

Du brauchst nicht viel, aber das Richtige. Gute Nachrichten: Der Fischländer Angelshop in Wustrow (Dirk Hilgert, Tel. 038220–82717) hat alles und gibt gern Tipps.

Für die Ostsee

Eine Rute mit 50–75 Gramm Wurfgewicht und 2,70 Meter Länge ist ideal. Die Schnur sollte geflochten sein, mit etwa 15 Kilogramm Tragkraft. Mit dieser Ausrüstung wirfst du weit und hast die Kontrolle, wenn ein großer Dorsch oder eine Meerforelle anbeißt.

Köder: Gummifische in 6–9 Zentimeter Länge, verschiedene Farben. Nicht zu kompliziert – die Fische sind oft hungrig.

Für die Bodden

Hier wird es etwas feiner. Die Ruten sind ähnlich, aber die Köder etwas größer (bis 20 Zentimeter auf Hecht). Mit Gummifischen und Twistern arbeitest du, und Bleiköpfe von 5–15 Gramm – je nachdem, wie tief der Bodden ist.

Noch ein Tipp: Ein Stahlvorfach ist sinnvoll, weil Hechte überall sein können und deren Zähne keine Gnade kennen.

Das Bellyboat

Das ist eine kleine, persönliche Idee: Mit einem Bellyboot (auch "Belly Boat" genannt) paddelst du hinaus, wo die dicken Fische sind. Du brauchst eine Wathose (auf den nassen Wiesen sehr zu empfehlen) und etwas Erfahrung, aber es öffnet dir Stellen, die andere nicht erreichen.

Bernd's Belly Boot Verleih bietet Bellyboats und komplette Ausrüstung zum Mieten an – perfekt für Anfänger, die es erst ausprobieren wollen.

Ein Mann in gestreiftem T-Shirt, Sonnenbrille und blauer Kappe hält einen großen Zander in einem Boot, Wasser und flaches Ufer im Hintergrund.

Die beste Zeit zum Angeln

Es gibt keine schlechte Zeit zum Angeln an der Ostsee, aber es gibt bessere und bessere.

Frühjahr (März–Mai): Das ist die Hochsaison für Hornhechte. Mit Beginn der Rapsblüte sind sie da, und jede Wurfweite kann einen Treffer bringen.

Sommer (Juni–August): Ruhiger, aber zuverlässig. Dorsch und Meerforelle beißen, und die Bedingungen sind angenehm.

Herbst (September–Oktober): Eine unterschätzte Zeit. Die Fische sind aggressiv, bevor der Winter kommt. Große Zander- und Hechtfänge sind jetzt normal.

Winter (November–Februar): Die Saison ist kälter, aber nicht vorbei. Wer warm angezogen fährt, findet weniger Konkurrenz und manchmal bessere Fänge.

Die Fische, die hier leben

Ostsee

Dorsch: Der Klassiker. Guter Bestand, relativ einfach zu fangen. Ideal für Anfänger.

Meerforelle: Größer, stärker, weniger häufig – aber wenn du eine hast, weißt du es. Das ist Angeln mit Adrenalin.

Hering: Reichlich vorhanden. Mit feinen Ruten und kleinen Ködern ist das perfektes Training für Geduld.

Hornhecht: Im Frühjahr die Stars. Silbern, schnell, und wenn sie zuschlagen, merkst du es sofort.

Flunder und Steinbutt: Mit Glück. Nicht häufig, aber es passiert.

Boddengewässer

Zander: Das Raubfisch-Leitbild der Bodden. Mit 40 Zentimetern Mindestmaß eine faire Chance für große und kleine Fische.

Hecht: Der König der Bodden. Große Exemplare sind möglich, aber auch kleinere Fische macht Angeln mit ihnen spannend.

Barsch: Der unterschätzte Fisch. Reichlich vorhanden, immer hungrig, macht Spaß.

Die praktischen Sachen

Angelstellen

Die besten Angelstellen sind nicht geheim – sie sind einfach bekannt. Die Seebrücken in Prerow, Wustrow und Zingst, die Häfen in den Dörfern, der Weststrand zwischen Ahrenshoop und Wustrow. Das sind keine "Geheim-Tipps", aber sie funktionieren, weil dort die Fische sind.

Bootsvermietung

Wenn du ein Boot brauchst, hilft dir der Angelshop weiter. Auch Bernd's Belly Boot Verleih vermittelt. Mit Boot erreichst du Stellen, die vom Ufer unerreichbar sind – und manchmal sind die besten Fische genau dort.

Angelvereine und Guides

Der Angelverein Prerow (Jörg Pagel, Tel. 038233–60276) bietet lokales Wissen. Auch Guides sind verfügbar, wenn du professionelle Unterstützung brauchst – besonders sinnvoll, wenn du neu hier bist.

Unterkunft für deinen Angelurlaub

Wenn du mehrere Tage bleibst, brauchst du einen Ort, wo du deine Ausrüstung lagern kannst, schnell ins Wasser kommst und abends zur Ruhe kommst. Eine kleine Ferienwohnung mit Küche ist perfekt für Angelurlauber. Du kochst deine Fänge selbst, sparst Geld, und hast die Flexibilität, wann du losgehst. Ob du früh um 5 Uhr zur Ostsee fährst oder erst nachmittags die Bodden testest – vom eigenen Platz aus ist beides einfach. Ideal ist Strandnähe oder Bodden-Nähe – kurze Wege vom Bett zur Rute. Meerfischland hat Ferienwohnungen in allen Orten: Prerow, Zingst, Wustrow, Born, Wieck, Ahrenshoop. Alle sind nah am Wasser.

Naturschutz und Regeln

Die Boddenlandschaft ist Naturschutzgebiet – und das ist gut so. Das macht die Gegend zu dem, was sie ist. Aber das bedeutet auch: Es gibt Regeln.

Manche Bereiche der Bodden sind geschützt, manche Zeiten und Plätze sind tabu. Informiere dich vor dem Angeln über aktuelle Einschränkungen. Die Kurverwaltungen und der Angelshop haben die Infos.

Seeadler, Kraniche, Seegraswiesen – das sind Schätze dieser Region. Nur weil wir angeln, heißt das nicht, dass wir sie beschädigen dürfen.

Die ersten Schritte: So fängst du an

  1. Touristenfischereischein besorgen: Online oder in einer Kurverwaltung. 23-24 Euro, 28 Tage gültig.
  2. Angelerlaubnis kaufen: Auch in der Kurverwaltung. Dauer und Preis je nach Wahl (Tageserlaubnis ab 6 Euro).
  3. Ausrüstung checken oder leihen: Rute, Rolle, Schnur, Köder. Im Angelshop gibt es alles – oder du leihst dir ein Komplettset.
  4. Die Stelle aussuchen: Ostsee oder Bodden? Strand oder Boot? Seebrücke oder Ufer? Wähle nach Wetter und Lust.
  5. Los geht's: Frühmorgens ist oft die beste Zeit, aber auch abends kann es magisch sein.

Fazit: Angeln ist hier mehr als Hobby

An der Ostsee und den Bodden zu angeln ist nicht nur eine Aktivität – es ist Zeit im Freien, Zeit zum Nachdenken, Zeit mit Freunden oder Familie. Ob du einen dicken Dorsch fängst oder nicht: Die Zeit hier war nicht wasted.

Komm her, bring deine Rute mit (oder leih dir eine), und finde heraus, warum Generationen hier wiederkommen. Die Fische warten.

Maria Keilig
von Maria Keilig
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