Von September bis Anfang November hast du die beste Möglichkeit, die Kraniche in ihrem natürlichen Verhalten und Habitat ganz nah zu erleben. Der Kranichzug zur Herbstzeit ist das Highlight für Kranichbeobachter. Denn die Vorpommersche Boddenlandschaft ist der zweitgrößte Rastplatz Europas für Kraniche – und während dieser Herbstmonate nutzen bis zu 60.000 Vögel die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst intensiv als Rastgebiet.
Früher Herbst: Kranichbeobachtung, wenn die ersten ankommen (1.–15. September)
Die Reise beginnt. In den ersten Septembertagen treffen die Vorläufer des Kranichzugs ein. Etwa 10.000 Kraniche, die ihre lange Reise Richtung Süden angetreten haben. Das Wetter im September ist mild und windig, die Landschaft noch sommerlich. Du wanderst morgens zwischen 6:00 und 8:00 Uhr entlang der Boddenküste, um die Kraniche zu beobachten, wenn die Vögel vom Schlafplatz zu ihren Futtergründen fliegen. Die Luft ist ruhig, wenige andere Besucher der Kranichbeobachtung sind unterwegs. Es ist die perfekte Zeit, um anzukommen, um dich auf die Stille einzulassen und die ersten Kranich-Trompetenrufe zu hören.
Peak-Phase der Kranichbeobachtung: Das Spektakel (16. September–31. Oktober)
Dies ist die Zeit, auf die jeder Kranichbeobachter hinfiebern wird. Während dieser sechs Wochen konzentrieren sich 40.000 bis 50.000 Kraniche in der Boddenlandschaft – ein Naturschauspiel der Kranichbeobachtung, das deine kühnsten Erwartungen übertreffen wird. Der Kranichzug in dieser Phase ist am intensivsten. Die Temperaturen sinken auf 10 bis 15°C, das Wetter wird wechselhaft – genau richtig für die langen Flugstrecken der Kraniche.
Die beste Zeit, um Kraniche zu beobachten, ist die Dämmerung: Zwischen 17:00 und 19:30 Uhr fliegen die Kraniche von den Futtergründen zu ihren Schlafplätzen. Du stehst am Deich, dein Fernglas in der Hand, und plötzlich ein Kranich-Ruf aus der Ferne. Dann noch einer. Dann so viele, dass du sie kaum zählen kannst. Sie kommen am Himmel auf dich zu, Formation für Formation, ihre langen Hälse ausgestreckt, ihre Flügel schlagend. Der Himmel erfüllt sich mit Trompetenklängen. Dein Herz bleibt stehen.
Erfahrene Kranichbeobachter sprechen von „Mitte Oktober“ als der absoluten Peak-Zeit für Kranichbeobachtung, wenn die Kranichkonzentrationen am dichtesten sind und die Herbsttage noch nicht zu kalt sind. Wenn du in dieser Zeit zur Kranichbeobachtung einen Platz am Wasser auf Fischland-Darß-Zingst findest, wirst du verstehen, warum Menschen von überall hierherkommen. Aber: Buche deine Unterkunft früh, denn die Halbinsel ist in diesen Wochen oft ausgebucht.
Später Herbst – der Abschied der Kraniche (1.–10. November)
Es wird kalt. Der Wind schneidet schärfer. Die letzten Kraniche bereiten sich auf ihren Weiterzug vor. Mit etwa 5.000 verbleibenden Vögeln ist die Anzahl beim Kranichzug deutlich kleiner, aber keineswegs weniger bewegend für die Kranichbeobachtung. Früh morgens zwischen 6:00 und 8:00 Uhr, wenn die Sonne gerade aufgeht und die Kraniche aktiv werden, sind es die schönsten Momente zum Beobachten. Du sitzt allein am Bodden, der Horizont färbt sich rosa und du fragst dich, wohin diese Kraniche fliegen, was sie alles sehen auf ihrer Reise. Anfang November fliegen dann auch die letzten Kraniche südwärts, bis sie im März, manchmal schon Ende Februar, zur Frühlingszeit zurück zu ihrer Kranichbeobachtung kommen.